Football sieht beim ersten Zuschauen aus wie kontrolliertes Chaos: 22 Leute rennen los, nach fünf Sekunden liegt jemand, und dann passiert erst mal eine Minute lang gar nichts. Wer die vier, fünf Grundregeln kennt, sieht ab dem nächsten Spielzug etwas völlig anderes – nämlich einen Plan, der vorher besprochen wurde und in vier Sekunden umgesetzt wird.
Wir erklären die American-Football-Regeln hier so, wie wir sie selbst gern erklärt bekommen hätten: ohne Fachchinesisch, dafür in der Reihenfolge, in der man sie beim Zuschauen braucht.
Das Ziel: den Ball in die Endzone bringen
Das Spielfeld ist 100 Yards lang, dazu kommt an jedem Ende eine zehn Yards tiefe Endzone. Ein Yard sind knapp 91 Zentimeter, das gesamte Feld also gut 110 Meter. Zwei Mannschaften mit je elf Spielern auf dem Feld stehen sich gegenüber: eine greift an (Offense), die andere verteidigt (Defense).
Die Offense will den Ball in die gegnerische Endzone tragen oder dort fangen. Gelingt das, ist es ein Touchdown.
Die wichtigste Regel: vier Versuche, zehn Yards
Wer den Ball hat, bekommt vier Versuche (Downs), um mindestens zehn Yards Raum zu gewinnen. Schafft die Offense das, beginnt die Zählung von vorn: wieder vier Versuche, wieder zehn Yards. Schafft sie es nicht, bekommt der Gegner den Ball an der Stelle, an der der letzte Versuch endete.
Deshalb sieht man auf dem Bildschirm ständig Angaben wie 2nd & 7: zweiter Versuch, noch sieben Yards bis zum neuen ersten Versuch. Genau daraus ergibt sich die ganze Spannung – und die gelbe Linie im Fernsehbild, die es auf dem Rasen gar nicht gibt.
Der vierte Versuch: die Entscheidung des Abends
Beim vierten Versuch hat das angreifende Team drei Möglichkeiten:
- Punt: den Ball wegschießen, damit der Gegner weit entfernt anfängt. Der Normalfall.
- Field Goal: den Ball durch die Torstangen kicken – drei Punkte, wenn er durchgeht.
- Going for it: es trotzdem versuchen. Klappt es nicht, bekommt der Gegner den Ball genau dort. Das ist die Entscheidung, über die am nächsten Tag geredet wird.
Wie Punkte entstehen
| Aktion | Punkte |
|---|---|
| Touchdown | 6 |
| Extrapunkt nach Touchdown (Kick) | 1 |
| Two-Point Conversion statt Kick | 2 |
| Field Goal | 3 |
| Safety (Gegner wird in der eigenen Endzone gestoppt) | 2 |
Deshalb sind typische Football-Ergebnisse so krumm: 24:17, 31:20, 27:24. Wer die Punktwerte kennt, kann jeden Spielstand rückwärts lesen.
Der Spielzug: 40 Sekunden Planung, vier Sekunden Ausführung
Zwischen zwei Spielzügen liegen maximal 40 Sekunden. In dieser Zeit bekommt der Quarterback den nächsten Spielzug übermittelt, die Mannschaft stellt sich auf, und die Verteidigung reagiert darauf. Dann kommt der Snap – der Ball wird nach hinten gespielt, und alles, was vorher besprochen wurde, passiert auf einmal.
Genau das ist der Punkt, an dem Football für die meisten Leute kippt: Solange man nur den Ball verfolgt, sieht man Gedränge. Sobald man vor dem Snap kurz auf die Aufstellung schaut, sieht man, was das Team vorhat.
Offense, Defense, Special Teams
Jedes Team hat drei getrennte Einheiten, die nie gleichzeitig auf dem Feld stehen: die Offense im Ballbesitz, die Defense ohne Ballbesitz und die Special Teams für alle Kicks. Deshalb sind die Kader so groß und deshalb wechseln bei jedem Ballbesitzwechsel elf Leute komplett aus.
Wer auf welcher Position was macht, steht ausführlich im Beitrag NFL-Positionen erklärt.
Vier Viertel – und trotzdem drei Stunden
Ein Spiel besteht aus vier Vierteln zu je 15 Minuten reiner Spielzeit. Die Uhr läuft aber nur, solange der Ball im Spiel ist, und sie stoppt ständig. Warum aus 60 Minuten am Ende gut drei Stunden werden, rechnen wir in diesem Beitrag einmal durch.
Häufige Fragen
Wie viele Spieler stehen auf dem Feld?
Elf pro Team, also 22 gleichzeitig. Im Kader stehen deutlich mehr, weil Offense und Defense getrennt besetzt sind.
Was bedeutet „First Down“?
Das angreifende Team hat die nötigen zehn Yards geschafft und bekommt vier neue Versuche. Im Stadion ist das der Moment, in dem alle aufstehen.
Warum wird so oft unterbrochen?
Weil die Uhr bei jedem unvollständigen Pass, jedem Spielerwechsel und jedem Ausscheiden aus dem Feld stoppt. Football ist eher eine Abfolge von Einzelentscheidungen als ein fließendes Spiel – näher am Schach als am Rugby.
Lohnt sich ein Stadionbesuch, wenn man die Regeln kaum kennt?
Ja. Im Stadion erklärt sich vieles von selbst, weil die Anzeigetafel mitzählt und 60.000 Leute gleichzeitig reagieren. Was man vorher wissen sollte, steht in unserem Beitrag Ein NFL-Spiel in den USA besuchen.
Mehr zum Sport, den Teams, den Stadien und der Fankultur findest du auf unserer Übersichtsseite Faszination Football.

